Bokashi für Cannabis: Dünger in 6 Schritten einfach ansetzen

Bokashi für Cannabis: Der PlantMentor streut Bokashi-Kleie auf Küchenabfälle im Fermentationseimer neben einer Cannabispflanze

Bokashi, also fermentierte Küchenabfälle als Dünger für deine Cannabispflanzen, ist eine der nachhaltigsten Methoden, um Reste in wertvolle Nährstoffe zu verwandeln. Statt Reste wegzuwerfen, fermentierst du sie luftdicht mit effektiven Mikroorganismen und gewinnst so einen nährstoffreichen Flüssigdünger sowie festen Kompost für dein Substrat. Für Growerinnen und Grower, die organisch und ressourcenschonend anbauen möchten, ist Bokashi eine echte Alternative zu Mineraldüngern. In diesem Artikel zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du Bokashi ansetzt, richtig anwendest und typische Fehler vermeidest.

Kreislauf aus Küchenabfällen, Bokashi-Eimer und gesunder Cannabispflanze im Stofftopf
Aus Küchenabfällen wird über den Bokashi-Eimer Nahrung für deine Pflanze.

Was ist Bokashi und warum eignet es sich für Cannabis

Querschnitt eines Bokashi-Eimers mit Schichten aus Küchenabfällen und Bokashi-Kleie über dem Siebboden
Abwechselnde Schichten aus Abfällen und Kleie sind das Prinzip von Bokashi.

Bokashi stammt aus dem Japanischen und bedeutet fermentiertes organisches Material. Im Gegensatz zum klassischen Kompostieren, bei dem Abfälle unter Sauerstoffzufuhr verrotten, läuft die Bokashi-Fermentation anaerob ab, also ohne Sauerstoff, in einem luftdicht verschlossenen Eimer. Effektive Mikroorganismen, kurz EM, zersetzen die Küchenabfälle innerhalb weniger Wochen zu einer sauren, nährstoffreichen Masse, die anschließend im Boden weiter abgebaut wird.

Für den Cannabisanbau ist dieser Prozess besonders interessant, weil er organische Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor, Kalium sowie zahlreiche Spurenelemente in einer für Pflanzen gut verfügbaren Form liefert. Gleichzeitig fördern die Mikroorganismen ein gesundes Bodenleben, das die Wurzelentwicklung unterstützt und die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheitserreger erhöhen kann. Wenn du das Bodenleben gezielt weiter aufbauen willst, lässt sich Bokashi gut mit Mykorrhiza-Pilzen ergänzen. Wer ohnehin auf einen organischen Cannabis Anbau setzt, findet in Bokashi eine ideale Ergänzung zum Nährstoffkreislauf.

Im Vergleich zu herkömmlichem Kompost ist Bokashi deutlich schneller fertig, riecht bei korrekter Durchführung nicht faulig, sondern eher süßlich-sauer, und lässt sich auch in kleinen Wohnungen ohne Garten problemlos ansetzen.

Das brauchst du für Bokashi-Dünger

Bokashi-Ausstattung von oben: Fermentationseimer mit Hahn, Siebeinsatz, Kleie, Küchenabfälle und Handschuhe
Mehr brauchst du nicht, um Bokashi-Dünger selbst anzusetzen.

Bevor du mit der Fermentation beginnst, solltest du dir das passende Equipment und hochwertige Ausgangsstoffe besorgen. Die Qualität des Bokashi-Ferments hängt stark davon ab, wie sauber und sauerstofffrei der Fermentationsprozess abläuft.

Ein spezieller Bokashi-Eimer mit Ablasshahn am Boden ist ideal, da sich hier der anfallende Bokashi-Saft regelmäßig abzapfen lässt, ohne dass die Masse im eigenen Sud steht. Alternativ funktioniert auch ein normaler Eimer mit dicht schließendem Deckel, den du regelmäßig öffnest, um die Flüssigkeit abzuschöpfen.

  • Luftdichter Fermentationseimer mit Ablasshahn (10 bis 20 Liter reichen für die meisten Grower)
  • Bokashi-Starterkultur bzw. effektive Mikroorganismen (EM), meist als Kleie oder Flüssigkonzentrat erhältlich
  • Küchenabfälle wie Gemüse- und Obstreste, Kaffeesatz, Eierschalen, Teebeutel ohne Plastik
  • Ein beschwerendes Gewicht oder eine Presse, um die Abfälle luftdicht zu verdichten
  • Handschuhe und ein Messer zum Zerkleinern der Abfälle
  • Ein zweites Gefäß zum Auffangen des Bokashi-Safts

Bokashi ansetzen: Anleitung in 6 Schritten

Hände des PlantMentors schichten Küchenabfälle in den Bokashi-Eimer, streuen Kleie und drücken die Schicht an
Schichten, Kleie drüberstreuen, gut andrücken, Deckel zu.

Das Ansetzen von Bokashi ist unkompliziert und erfordert keine Vorkenntnisse. Wichtig ist vor allem Konsequenz beim luftdichten Verschließen, denn Sauerstoff ist der größte Feind der Fermentation und begünstigt Fäulnis statt gewünschter Milchsäuregärung.

Halte dich an die folgende Reihenfolge, dann gelingt dein erster Bokashi-Ansatz zuverlässig.

  • Schritt 1: Küchenabfälle klein schneiden, damit die Mikroorganismen eine größere Angriffsfläche haben
  • Schritt 2: Eine dünne Schicht Abfälle in den Eimer geben, etwa 3 bis 5 Zentimeter hoch
  • Schritt 3: Eine Handvoll Bokashi-Kleie oder EM-Lösung gleichmäßig darüber streuen
  • Schritt 4: Die Schicht mit einem Löffel oder Presswerkzeug fest andrücken, um Luft herauszudrücken
  • Schritt 5: Schritte 1 bis 4 wiederholen, bis der Eimer voll ist, danach luftdicht verschließen
  • Schritt 6: Alle zwei bis drei Tage den entstehenden Bokashi-Saft über den Ablasshahn abzapfen

Fermentationsdauer und Anzeichen für erfolgreiches Bokashi

Fertiges Bokashi-Ferment mit weißem Pilzflaum auf eingelegt wirkenden Küchenabfällen
Weißer Flaum und säuerlicher Geruch zeigen: Die Fermentation war erfolgreich.

Nach dem letzten Befüllen bleibt der Eimer für etwa zwei Wochen fest verschlossen stehen, damit die Fermentation vollständig abgeschlossen werden kann. Während dieser Zeit solltest du weiterhin regelmäßig den Bokashi-Saft ablassen, da stehende Flüssigkeit die Gärung stören kann.

Ein gelungenes Ferment erkennst du an einem angenehm sauren, leicht alkoholischen oder essigähnlichen Geruch, ähnlich wie bei eingelegtem Gemüse. Häufig bildet sich ein weißlicher Belag auf der Oberfläche, der aus nützlichen Hefen und Milchsäurebakterien besteht und völlig unbedenklich ist. Riecht der Inhalt hingegen faulig, modrig oder nach verrottetem Fleisch, ist bei der Fermentation Sauerstoff eingedrungen und der Ansatz sollte entsorgt werden.

Nach Ablauf der zwei Wochen ist das feste Bokashi-Ferment bereit zur Weiterverarbeitung. Es sieht optisch noch fast unverändert aus, hat aber seine Struktur verloren und ist stark säurehaltig, weshalb es nicht direkt an die Pflanzen gegeben werden darf.

Bokashi-Saft und Bokashi-Ferment richtig anwenden

Hände des PlantMentors verdünnen Bokashi-Saft aus dem Messbecher in einer Gießkanne neben einer Cannabispflanze
Bokashi-Saft immer stark verdünnt gießen, nie pur.

Der beim Fermentieren anfallende Bokashi-Saft ist hochkonzentriert und darf niemals unverdünnt verwendet werden, da er mit einem pH-Wert von teilweise unter 4 die Wurzeln deiner Pflanzen verätzen würde. Verdünne ihn im Verhältnis 1:100 bis 1:200 mit Wasser, also etwa 5 bis 10 Milliliter Saft auf einen Liter Wasser, und gieße die Lösung direkt ans Substrat.

Kontrolliere vor der Anwendung immer den pH-Wert deiner Gießlösung, idealerweise mit einem zuverlässigen Cannabis pH Meter EC Meter. Ziel ist ein pH-Wert im Bereich von 6,0 bis 6,5 für Erdanbau, damit die Nährstoffe optimal aufgenommen werden können. Wie viel pH-Plus oder pH-Minus deine Gießlösung braucht, kannst du mit dem pH-Rechner abschätzen.

Das feste Bokashi-Ferment wird nicht direkt eingesetzt, sondern zunächst in die Erde eingegraben oder mit Kompost beziehungsweise Substrat vermischt, wo es innerhalb von zwei bis vier Wochen von Bodenlebewesen weiter zersetzt wird. In dieser Zeit sollten die Wurzeln nicht in direktem Kontakt mit dem frischen Ferment stehen, da die Fermentationssäuren zunächst neutralisiert werden müssen. Am besten gräbst du das Ferment etwa 15 Zentimeter tief in ungenutzte Erde ein oder legst einen separaten Reifehaufen an.

Bokashi in den Nährstoffplan für Cannabis integrieren

Growtagebuch mit Düngeplan-Symbolen neben einer Flasche selbstgemachtem Bokashi-Saft
Plane Bokashi-Gaben fest in deinen Düngeplan ein.

Bokashi liefert vor allem Stickstoff und Kalium sowie ein breites Spektrum an Mikronährstoffen, ersetzt aber keine vollständige Düngestrategie, besonders nicht in der Blütephase, wenn der Phosphorbedarf stark ansteigt. Betrachte Bokashi-Saft als wertvolle Ergänzung zu deinem Grundsubstrat und orientiere dich zusätzlich an den Werten aus der Cannabis NPK Tabelle, um Über- oder Unterdüngung zu vermeiden.

In der vegetativen Phase kannst du Bokashi-Saft etwa alle 7 bis 10 Tage anstelle einer regulären Düngung einsetzen. In der Blüte reduzierst du die Häufigkeit und kombinierst ihn eher mit phosphorbetonten organischen Düngern wie Guano oder Knochenmehl. Beobachte die Blätter deiner Pflanze aufmerksam, denn organische Dünger wirken oft verzögert und eine Überdosierung zeigt sich meist erst nach einigen Tagen.

Wichtig ist zudem, Bokashi nicht gleichzeitig mit hoch dosierten synthetischen Mineraldüngern anzuwenden, da hohe Salzkonzentrationen die enthaltenen Mikroorganismen schwächen können und die gewünschte biologische Wirkung dann verloren gehen kann. Wer flüssige Biologie ohne Fermentation bevorzugt, kann stattdessen Komposttee brauen.

Häufige Fehler beim Bokashi vermeiden

Vergleich eines verdorbenen Bokashi-Eimers mit schwarzgrünem Schimmel und eines gelungenen mit weißem Pilzflaum
Schwarzer oder grüner Schimmel und fauliger Geruch bedeuten: Die Charge ist gekippt.

Auch wenn Bokashi grundsätzlich einfach umzusetzen ist, schleichen sich gerade bei Einsteigern typische Fehler ein, die den Erfolg gefährden. Wer diese Stolperfallen kennt, kann sie von Anfang an vermeiden.

Ein häufiger Fehler ist zu grobes Zerkleinern der Küchenabfälle, wodurch die Fermentation ungleichmäßig verläuft und einzelne Stücke faulen statt zu gären. Ebenso problematisch ist zu seltenes Verdichten der Schichten, wodurch Lufteinschlüsse entstehen, die unerwünschte Fäulnisbakterien begünstigen. Auch das Vergessen, den Bokashi-Saft regelmäßig abzulassen, führt dazu, dass die Masse im eigenen Sud steht und zu faulen beginnt.

Ein weiterer verbreiteter Fehler ist die zu hohe Dosierung des fertigen Safts direkt an der Pflanze. Da Bokashi-Saft sehr sauer und salzhaltig ist, kann eine Überdosierung schnell zu Wurzelschäden führen, die sich ähnlich wie bei anderen Überdüngungsproblemen zeigen, etwa vergleichbar mit den Symptomen bei Stickstoffüberschuss Cannabis. Halte dich deshalb immer strikt an die empfohlenen Verdünnungsverhältnisse und steigere die Konzentration nur langsam.

  • Küchenabfälle immer klein schneiden, nicht in großen Stücken einlegen
  • Jede Schicht fest andrücken, um Luft zu entfernen
  • Bokashi-Saft mindestens alle 2 bis 3 Tage abzapfen
  • Fertigen Saft immer im Verhältnis 1:100 bis 1:200 verdünnen
  • Niemals fleisch- oder milchhaltige Abfälle in größeren Mengen verwenden
  • Bokashi nicht mit synthetischen Düngern gleichzeitig anwenden

Häufig gestellte Fragen

Kann ich Bokashi auch für eine Growbox ohne Balkon oder Garten ansetzen?

Ja, Bokashi funktioniert komplett geruchsarm und platzsparend in einem geschlossenen Eimer, solange dieser luftdicht verschlossen bleibt. Du benötigst weder Garten noch Balkon, ein Platz in der Küche oder im Vorratsraum reicht völlig aus. Wichtig ist nur, dass der Eimer nicht in direkter Sonne oder extremer Kälte steht, ideal sind Raumtemperaturen zwischen 15 und 25 Grad.

Wie oft kann ich Bokashi-Saft an meine Cannabispflanzen geben?

Bei richtiger Verdünnung von 1:100 bis 1:200 kannst du Bokashi-Saft etwa alle 7 bis 10 Tage anstelle einer regulären Bewässerung mit Dünger einsetzen. In der Blütephase solltest du die Häufigkeit reduzieren und stärker auf phosphorbetonte Ergänzungen setzen, da Bokashi vor allem Stickstoff und Kalium liefert.

Welche Küchenabfälle eignen sich nicht für Bokashi?

Größere Mengen an Fleisch, Fisch, Milchprodukten oder stark verarbeiteten, öligen Speiseresten solltest du vermeiden oder nur in sehr kleinen Mengen zugeben, da sie die Fermentation stören und unangenehme Gerüche begünstigen können. Ebenfalls ungeeignet sind Zitrusschalen in großen Mengen sowie Zwiebel- und Knoblauchreste, da ihre ätherischen Öle die Mikroorganismenkultur hemmen können.

Ist Bokashi-Dünger für Cannabis nach dem CanG 2024 rechtlich unbedenklich?

Ja, Bokashi ist ein rein organisches Düngeverfahren und unterliegt keinerlei Einschränkungen durch das Cannabisgesetz. Das CanG regelt Anbau, Besitz und Weitergabe von Cannabis, nicht jedoch die Wahl deiner Düngemethode. Du kannst Bokashi also bedenkenlos im Rahmen deines legalen Eigenanbaus einsetzen.

Wie lange ist fertiger Bokashi-Saft haltbar?

Unverdünnt und kühl sowie dunkel gelagert hält sich Bokashi-Saft mehrere Monate, da die enthaltene Säure eine konservierende Wirkung hat. Sobald du ihn jedoch mit Wasser verdünnt hast, solltest du die Lösung innerhalb weniger Stunden verbrauchen, da die Mikroorganismen dann schnell an Aktivität verlieren.

Fazit

Bokashi verbindet Nachhaltigkeit mit einem effektiven, organischen Düngekonzept, das Küchenabfälle sinnvoll verwertet statt sie zu entsorgen. Mit dem richtigen Eimer, hochwertiger Starterkultur und konsequenter luftdichter Fermentation gelingt der Ansatz auch Einsteigern zuverlässig. Wer die Verdünnungsverhältnisse einhält und Bokashi als Ergänzung zu einem durchdachten Düngeplan versteht, profitiert von kräftigeren Pflanzen und einem lebendigeren Bodenleben. Wenn du deinen Grow konsequent ökologisch gestalten möchtest, etwa mit einem Living Soil Substrat, ist Bokashi eine der lohnendsten Methoden überhaupt.

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